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Rundbrief 2

Autor: Linda | Datum: 17 Mai 2017, 11:42 | 0 Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

HALBZEIT – und der zweite Rundbrief steht an. Ich kann es kaum glauben, dass nun schon die Hälfte rum ist und wir Volontäre beim Zwischenseminar unser Bergfest gefeiert haben. Ich sitze gerade zu Hause und lasse die letzte Zeit Revue passieren. Vor allem die letzten zwei Monate waren sehr voll. Ich war mit Lisa (Volontärin in Kayanga) eine Woche zur Anreise zum Zwischenseminar unterwegs. Wir haben Zwischenstopps in Mwanza, Tabora und Dodoma gemacht, bis wir dann in Morogoro zum einwöchigen Zwischenseminar angekommen sind. Nach dem Zwischenseminar habe ich dann Lucas in Dar Es Salaam abgeholt und nach einer gemeinsamen zehntägigen Reise durch den Norden Tansanias konnte ich meinem ersten Besuch aus Deutschland meinen Alltag in Bukoba zeigen. Vor meiner Abreise bin ich in Kashura noch von meinem Haus (Nyumba ya Debora) in das andere Haus (Nyumba ya Ruth) umgezogen, da während meiner Abwesenheit Guna (Bruder der Gründerin des Tumaini Children Center) mit ein paar anderen Gästen aus Schweden angereist ist. Selbstverständlich mache ich ihm gerne Platz, um im Haus seiner Schwester wohnen zu können. Am kommenden Freitag werde ich dann wieder in mein altes Haus zurückkehren. Letztes Wochenende ist Marcel (Volontär aus Basel) in Nyumba ya Ruth eingezogen, sodass wir jetzt eine einwöchige WG bilden. Ihr seht es ist hier immer was los und ich habe inzwischen viele verschiedene Wohnsituationen kennengelernt.

Seit meinem letzten Rundbrief und Blogeintrag hat sich vor allem mein Freizeitverhalten und Privatleben verändert. Deshalb möchte ich Euch davon als erstes erzählen.

Zu Beginn des Jahres war ich im Chor, da ihr aber alle meine nicht vorhandenen Singkünste kennt, könnt ihr Euch vorstellen wie erfolgreich ich damit gewesen bin. Also bin ich jetzt auf sportliche Betätigungen umgestiegen. Ich tanze inzwischen Salsa – ja ihr habt richtig gelesen – Salsa! Wenn es klappt streben wir an uns zwei Mal die Woche zu treffen. Marcel bietet dies für uns umsonst und mit sehr viel Elan an. Endlich wieder mal zu Tanzen tut meiner Seele sehr gut. Das klappt aber nicht immer. Die anderen Volontäre spielen zusammen mit jungen, netten Einheimischen jeden Abend am Strand Volleyball oder Fußball. Da sich meine Vorliebe zur Ballsportarten jedoch sehr in Grenzen hält habe ich entschieden einfach um die Fußball- und Volleyballfelder joggen zu gehen. Das habe ich vor meiner Reise zwei Wochen täglich sehr erfolgreich durchgezogen und nach meiner Rückkehr nun auch wieder angefangen. Ich fühle mich dadurch deutlich ausgewogener. Nach dem Sport gehen wir dann meistens gemeinsam in die Stadt zum Chaiman.  Der Chaiman ist ein Treffpunkt an einer Straßenecke an dem man zusammensitzt, Tangawizi (süß-scharfer Ingwertee) trinkt, Erdnüsse knabbert und sich austauscht. Traditioneller Weise ist dies vor allem für Männer vorgesehen. In den umliegenden Dörfern wird das auch strikt eingehalten. Aber da ich den Vorteil habe eine Stadt-Volontäre zu sein ist es kein Problem vorbei zu kommen. Viele Dinge laufen doch unterschiedlich zwischen städtischen und dörflichen Gegenden. Wenn ich dann frage, ob etwas erlaubt ist, da ich gehört habe, dass Volontäre auf den Dörfern das nicht dürfen, bekomme ich nur zur hören „Sure, it’s town“.

Aber auch bei meiner Arbeit läuft es richtig gut. Ich bin noch immer vormittags in der Schule und nachmittags im Center bei den Kindern. Als neues Angebot habe ich nun damit begonnen nachmittags die Klamotten der Kinder etwas zu flicken. Und alle waren von meinen Nähkünsten sehr begeistert und teilweise irritiert, dass ich weiß wie man ein Loch flickt, einen Knopf annäht oder einen Reisverschluss ersetzt. Es hat mich sehr gefreut auch hier wieder einen neuen Platz gefunden zu haben, wie ich mich in das Gemeinschaftsleben einbringen kann.

Da ich inzwischen einen sehr routinierten Alltag habe möchte ich im Folgenden einfach ein paar witzige, schöne und berührende Momente aus meinen letzten sechs Monaten berichten.

Mittwoch, 19.10.2016

Ich bin nun schon eine Weile in der Schule und heute habe ich das erste Mal das Gefühl die Früchte meiner Arbeit zu sehen. Ich kümmere mich um meine Förderkinder und nach drei Wochen rechnet Arnold mit Hilfe von Plastikdeckeln bis 30, Lewina versucht sich am 10er-Übergang, Helena rechnet souverän bis 10 hat aber ihre Probleme mit dem 10er-Übergang und Gibbson addiert im Zahlenraum bis Zehn bereits auch drei Zahlen wie ein Weltmeister. Wobei Gibbson andererseits auch die meisten Pausen und das meiste Lob braucht. Er muss sich halt erstmal daran gewöhnen in der Schule etwas zu tun zu haben.

Sonntag 06. und Montag 07.11.2016

Heute ist Sonntag, da ich momentan im Center wohne muss ich meine elektronischen Geräte immer im Speisesaal laden. Da alle zum Gottesdienst gehen beschließe ich mein Handy dort einzustecken. Den ganzen Tag ist dann Programm im Center, sodass ich vergesse mein Handy wieder zu sichern. Am Abend fehlt dann meine SD-Karte. Das kommt mit sehr komisch vor und am nächsten Morgen berichte ich Sister Adventina von meinem Verlust. Sie macht mir wenig Hoffnung, da vermutlich meine SD Karte schon lange verkauft worden ist. Sie möchte aber am Abend bei der Andacht mit den Kindern darüber sprechen. Ich kann leider nicht dabei sein, da ich beim Sprachkurs bin. Als ich zurück komme sind alle Kindern im Speisesaal versammelt. Meine Speicherkarte wurde tatsächlich gestohlen, ist aber wiederaufgetaucht. Der Täter wurde ausfindig gemacht. Ich merke wie mein Herz anfängt zu klopfen, da ich Sorge habe, welche Bestrafung auf das Kind wohl wartet. Ich kann aber erleichtert durchatmen, da es keine körperliche Bestrafung gibt, sondern ein pädagogisches Gespräch über Mein und Dein und das Leben in einer Gemeinschaft geführt wurde. Außerdem wird mir im Nachhinein berichtet, dass die Kinder sehr entsetzt waren, dass jemand gewagt hatte, von mir etwas zu stehlen, da ich doch Teil der Tumaini-Familie bin und ich sowohl in der Schule als auch am Nachmittag einen wichtigen Beitrag leiste. Dieses Kompliment freut mich natürlich sehr. Die nächsten Tage meidet mich der Junge etwas, doch ich versuche ihm zu zeigen, dass ich vergeben habe und er immer zu mir kommen kann. Inzwischen ist unsere Beziehung genauso herzlich wie zuvor.

Dienstag, 15.11.2016

Wir spielen endlich mal wieder Duplo. Es sind vor allem Jungs da. Wir versuchen uns ein bisschen zu unterhalten. Irgendwann sagen die Jungs, dass sie sich freuen würden, wenn ich sie mal wieder in ihrem Domitory besuchen kommen würde. Besonders, da sie seit neustem dort eine Katze haben. Da mein Suahili zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut ist verstehe ich aber im ersten Moment, dass die die Katze essen möchten und bin etwas irritiert.

Mittwoch, 16.11.2016

Ich habe inzwischen ein paar neue Förderkinder, da wir im Center etwas Zuwachs bekommen haben. Heute übe ich mit Ajuna Stifthaltung und das Schreiben erster Buchstaben. Da sie eine von mir gestellte Übungsaufgabe nicht selbstständig erledigt hat – das habe ich am Schriftbild gesehen – bin ich gerade dabei alles wieder auszuradieren. Gibson wartet neben mir und Elia mit seinem Heft, damit ich anschließend seine Aufgaben abhaken kann. Während er wartet und die Situation beobachtet sagt er zu Elia, dass es ja gar nicht schlimm ist, dass Ajuna nicht schreiben kann. Sie ist ja noch neu in der Schule und als er neu war konnte er das auch nicht. Aber da Mwalimu Linda (Lehrerin Linda) ja da ist, wird es nicht lange dauern und sie wird es schon bald können. Elia hat mir dieses Gespräch im Nachhinein übersetzt. Kinder sind einfach der Schlüssel zum Glück. In solchen Momenten bin ich sprachlos.

Dienstag, 22.11.2016

Diese Woche sind Abschlussprüfungen für das Schuljahr 2016. Da es diese nur für die 2., 3. und 4. Klasse gibt haben meine Förderkinder den ganzen Tag nichts zu tun. Damit aber auch sie das Gefühl einer Abschlussprüfung kennen lernen schreibe ich einfach eigene Prüfungen für die Kinder. Bei der Korrektur bin ich sehr überrascht. Das Arnold am besten Abschneidet war ziemlich klar. Aber Helena auf dem zweiten Platz zu sehen überrascht uns alle. Ich glaube aber, sie selbst hat es am meisten überrascht und sie schien ziemlich Stolz. Ihre Fortschritte waren in den letzten Wochen hart erkämpft.

Sonntag, 11.12.2016

Ich sitze nach dem Gottesdienst mit Sister Adventina im Auto auf dem Weg nach Kashura. Irgendwie kommen wir auf das Rockthema und sprechen über Gesellschaftskonforme Kleidung. Als Sister Adventina mit dann erklärt, dass mein Rock eigentlich auch zu kurz ist und meine Rock-Leggins-Kombination zwar für die Town und die Arbeit okay ist, aber auf keinen Fall für die Kirche angebracht ist möchte ich am liebsten im Boden versinken. Sie erklärt mir, dass Leggins hier zur Unterwäsche gehören und ich somit mit sichtbarer Unterwäsche in die Kirche gegangen bin. Nunja meine tansanischen Röcke sind ja schon in Arbeit. Schade nur, dass ich das erst jetzt nach so langer Zeit erfahre.

Mittwoch, 14.12.2016

Ich habe Besuch von Lisa, Hannah N. und Janna. Da es langsam Weihnachten wird und wir alle frei haben, entscheiden wir uns Plätzchen zu backen. Wir machen sogar drei verschiedene Sorten. Da wir keine Ausstechformen haben wird alles Mögliche dafür verwendet. Irgendwann fangen Hannah und Janna an mit dem Messer Figuren auszuschneiden. Am Anfang gib es Engel, Glocken und Sternen. Doch irgendwann geht es dann zu Ananas, Palmen und ähnliches über – nunja was uns halt so in der Vorweihnachtszeit bewegt ;-).

Dienstag, 24.01.2017

Nach der Weihnachtspause ist Afisu, ein neues Straßenkind, zu uns ins Center gekommen. Doch nach zwei Woche in der Schule geht er wieder zurück auf die Straße. Da ich zurzeit abends immer beim Chaiman in der Stadt bin, treffe ich ihn dort zufällig. Zuerst ruft er nur meinem Namen und versteckt sich. Nicht nur ich, sondern auch alle anderen (Volontäre wie Einheimische) sind irritiert davon. Irgendwann entdecke ich ihn dann und er rennt weg. Ich kann aber zu zwei anderen Straßenkindern sprechen und ihnen sagen, dass Afisu nächstes Mal zu mir kommen soll. Die ganze Woche über sehe ich ihn jeden Abend in der Stadt und inzwischen kennen auch viele andere Straßenkinder meinen Namen. Ein Gast des Chaimans spricht mich an und fragt mich was ich arbeite. Ich erkläre ihm alles und er ist sichtlich erstaunt und meint, dass ich unter den Straßenkindern sehr bekannt wäre und er nun verstehen würde, warum er meinen Namen schon so oft gehört hat. Das ist ein tolles Kompliment, und ich fühle mich in diesem Moment richtig angekommen.

Ich hoffe Euch haben diese kleine Einblicke in meinen Alltag gefallen. Ich bin gespannt welche weiteren schönen, traurigen, spannenden und witzigen Erlebnisse auf mich warten.

Liebe Grüße

Linda

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